Was soll all diese Stille?

"Was soll all diese Stille?" - John Cage

Aufruf zur Demonstration für die Künste

am 4.7.2020 von 13:30 bis 14:30 Uhr

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Es ist an der Zeit den für (freiberufliche) Musiker*innen von der Politik verordneten perspektivlosen Zustand zu beenden.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum uns Musiker*innen nicht zugetraut wird, kreative Formate zu finden, die den derzeitigen allgemeinen Sicherheitsbestimmungen entsprechen.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum in einem Veranstaltungsraum nicht ähnliche Maßnahmen möglich sein sollen, wie in einem Kaufhaus, einem Eiscafé, einem Baumarkt, einem Biergarten o. ä.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum in den künstlerischen Bereichen gerade jetzt auf Rentabilität geschaut wird. Auch die Öffnung beispielsweise der Gastronomie bedeutet lediglich eine Minimierung des Schadens. Ist die Kultur keine Schadensbegrenzung wert?

Es gibt Systeme, in denen künstlerisches Tun nicht systemrelevant ist. Das sind bekanntermaßen keine guten Systeme.

Leider denken Musikerinnen und Musiker tatsächlich sehr häufig selbst, sie seien nicht wichtig. Das ist grundlegend falsch. Es ist richtig, dass Musik den physischen Hunger nicht stillt. Aber sie stillt den seelischen Hunger, der zugegebenermaßen äußerlich nicht so sehr weh tut, aber klammheimlich die Seele und den Geist zerstört. Und ganz nebenbei könnte sie helfen den derzeit psychisch wie wirtschaftlich anstrengenden Zustand besser zu verkraften, kreativer damit umzugehen.

Darüber hinaus sind wir eine eminente wirtschaftliche Macht! Noch-, denn wenn der komplette Lock-Down bzw. die komplette Nichtbeachtung so gedankenlos weiter geht, dann driften zigtausende freischaffende Künstler*innen in Hartz IV ab, ca. 20 000 privatwirtschaftlich-kulturelle Initiativen werden zerstört und der Gesellschaft gehen horrende Summen an Staatseinnahmen flöten. Die Kultur als Wirtschaftszweig erwirtschaftet jährlich über 100 Milliarden Euro BIP (nur die Autoindustrie erwirtschaftet mehr). 21,4 Millionen Fußballfans pilgern jährlich in die Stadien, 34 Millionen zu Musikkonzerten und in die Theater, 114 Millionen in Museen. Ca 1,7 Millionen Menschen sind im Kultursektor beschäftigt.

Deshalb lasst uns die Menschen informieren, wie es um uns steht. Unsere Perspektivlosigkeit ist auch die Perspektivlosigkeit der Kunstliebhaber, das ist jenen vielleicht nicht so dringlich bewusst.

Wir planen am 4.7. zwischen 13:30 und 14:30 Uhr das Stadtbild von Hannover zu verändern. Kleine Gruppen (bis max. 5 Personen, entsprechend der besonderen Versammlungs-Regelungen bezüglich Corona) positionieren sich an verschiedenen Orten in der ganzen Stadt - Orte, an denen sich Menschen Zeit lassen zu schauen. (siehe unten)

Entweder die Gruppen beschränken sich auf das präsentieren von Plakaten und Bannern, frei gestaltet mit Informationen, Statements, Bildern, Hilferufen etc.

Oder ihr beteiligt euch mit einer Performance: Beiträge, die sich mit dem Verstummen der künstlerischen Stimme auseinandersetzen - beispielsweise an einer verkehrsreichen Ecke mit Tonwolf spielen oder eine Aufführung von John Cages "4:33". Ausdrücklich wollen wir nicht einfach kostenlos unsere Kunst darbieten!

Wenn ihr euch mit einer Performance beteiligen wollt bitten wir um eine Anmeldung bis zum 01.07. an: wassollalldiesestille@gmail.com 

Bitte schreibt uns mit was für einem Thema ihr euch beschäftigt und an welchem Ort ihr euch gerne positionieren wollt.

Um die verschiedenen Standorte koordinieren zu können und um für interessierte Passanten einen Stadtplan mit Markierungen an den entsprechenden Orten entwerfen zu können ist diese Anmeldung wichtig.

Zusätzlichen zum Stadtplan als Wegweiser für eine performative Schnitzeljagd wird ein Flugblatt mit Informationen und Forderungen zum Verteilen zur Verfügung stehen.

Nun hoffen wir auf viele Teilnehmer*innen - leitet diesen Aufruf sehr gerne weiter! Wie immer gilt: je mehr, desto besser! Wir bitten auch alle "bestallten" Musiker*innen dieses allgemein kulturelle Ansinnen zu unterstützen.


Mit herzlichen Grüßen,

Prof. Jutta Rübenacker

Tatjana Prelević

Lenka Župková

Anne Zauner


Orte:

  1. Steintorplatz
  2. Ernst-August-Platz
  3. Opernplatz
  4. Marktkirche
  5. Musikhochschule 
  6. Lister Platz
  7. Weißekreuzplatz
  8. Lutherkirche
  9. Christuskirche
  10. Vahrenwalder Platz
  11. Lindener Marktplatz
  12. Maschsee Nordufer
  13. Neues Rathaus
  14. Aegigientorplatz, Ecke Maschstraße
  15. Wilhelm Busch Museum 
  16. Küchengarten
  17. Lister Turm
  18. Ballhof
  19. Landtag